SPRECHEN UND DENKEN

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Habe Ich bloß sprechen gelernt

um Mich zu fragen

was Ich eigentlich sagen

wollte?

Der Mensch

... ist von der Sprache besessen!!!

Die Sprache ist ein System aus verschiedenen Lauten, die nach bestimmten Mustern angeordnet sind und bestimmte Bedeutungen haben. Die Frage nach dem Zeitpunkt ihrer Entstehung und die Theorien über ihre Entwicklung sind unter den "Gelehrten" heftig umstritten. Die Pariser Sprachgesellschaft löste das Problem 1866 dadurch, daß sie jegliche weitere Diskussion darüber einfach verboten hat.

Einige Anthropologen ("Menschforscher") gehen davon aus, daß sich schon die Urmenschen der Art Homo erectus vor 1,5 Millionen Jahren mit einer einfachen Lautsprache verständigen konnten. Andere glauben, daß erst der Jetztmensch (Homo sapiens sapiens) zum Sprechen fähig war, und rechnen mit einem Sprachalter von "nur" 50 000 Jahren. Fest steht, daß unsere Vorfahren von ihrem Körperbau her nur mühsam sprechen konnten.

Beim Neandertaler (Homo sapiens neandertalensis) war der Kehlkopf noch am Kopf angewachsen und die Bewegungsfähigkeit der Zunge noch kaum entwickelt, wenn man auch annehmen kann, daß sein Gehirn kaum weniger leistungsfähig war, als das des Jetztmenschen. Das Gehirnvolumen des Neandertalers war im Durchschnitt sogar etwas größer als das der Menschen heute, wie sich aus der Größe der Schädelhöhle schlußfolgern läßt; allerdings kann man allein aus der Größe eines Gehirns nicht auf dessen Intelligenz schließen. Versteinerungen von Neandertalergehirnen, aus denen man Auskünfte über ihren Aufbau gewinnen könnte, gibt es natürlich nicht.

Trotzdem wage ich die Hypothese, daß uns der Neandertaler von seiner Intelligenz her wenig nachstand, nur konnte er sich eben viel schlechter verständigen als der Jetztmensch. Natürlich hat die Sprache des Neandertalers die Weiterentwicklung des menschlichen Sprechapparats zu seiner heutigen Leistungsfähigkeit begünstigt.

Die Entwicklung der Sprache ist ein Meilenstein in der Evolution des Menschen. Vor etwa 50 000 Jahren - so jedenfalls steht es in einem GEO-Sonderheft Kommunikation - begann eine neue Phase in der Geschichte: Zu diesem Zeitpunkt wurde Australien besiedelt, wurden die ersten Höhlenwände bemalt, die ersten Gräber geschmückt.

Während der letzten Eiszeit, aus der die ersten Funde des Jetztmenschen stammen, ist der Neandertaler ausgestorben. Vielleicht konnte der Homo sapiens sapiens im Gegensatz zum Homo sapiens neandertalensis durch seine Sprache Strategien entwickeln, die es ihm erlaubten während der Eiszeit zu überleben. Vielleicht hat ihn aber auch der jüngste Sproß am Stammbaum ausgerottet...

Das Wesen der Kommunikation ist viel zu komplex und zu vielschichtig um es mit wenigen Sätzen beschreiben zu können. Sprache vermittelt unter anderem Gefühle, Ideen, Märchen, Lügen, Befehle, manifestiert Gesetze, Spielregeln, Normen usw. Das dürfte Dir nicht unbekannt sein, da Du in der Lage bist, dieses Buch zu lesen. Versuch Dir mal die Sprache aus unserem Leben wegzudenken...

Der Jetztmensch hat sich selbst den lateinischen Beinamen "sapiens sapiens" (der wissende Wissende) gegeben. Der Mensch, der weiß, das er weiß?

"Mensch, ... Gegenüber allen Tieren nimmt er vor allem durch das hochdifferenzierte Gehirn, verbunden mit der Fähigkeit, in Worten zu denken und zu sprechen, eine Sonderstellung ein. ... ; in der Sicht vieler philosophischer Richtungen das einzige Lebewesen, das in der Lage ist einen Zugang zur Welt des Absoluten zu finden (siehe Geist1), das dadurch gegenüber dem Tier einen eigenständigen Bereich einnimmt. ... "

BROCKHAUS ENZYKLOPÄDIE

20 Bände, Ausgabe 1969

An diesem Zitat ist doch einiges sehr merkwürdig: Zunächst einmal, daß der Mensch angeblich nicht nur ein "hochdifferenziertes Gehirn", und eine Sprache hat, sondern daß er auch mittels Wörtern denkt. Dann ist da angeblich noch eine Welt, die sich von der tatsächlichen Welt dadurch unterscheidet, daß sie "Absolut" ist. Außerdem ist von "Geist" die Rede. Das Wort ist auch ein Synonym für "Gespenst".

Ich lade Dich nun zu einem Spaziergang durch den alten Brockhaus ein. Sicherlich ist der Brockhaus nicht mehr aktuell, schon gar nicht ist er der Weisheit letzter Schluß. Er läßt aber schon Rückschlüsse auf das Bewußtsein seiner Verfasser und seiner Käufer zu. Vielleicht steht Dir ja was besseres zur Verfügung, wo Du nachschlagen kannst, obwohl Ich den Brockhaus exemplarisch für sehr wertvoll halte. Sehen wir uns zuerst den Geist an:

"GEIST 1). Im allgemeinen und philosophischen Sinn bedeutet Geist zunächst im Gegensatz zum Körperlich-Stofflichen das Denken, die Vernunft, das Bewußtsein als die über das Materielle und Triebhaft-Sinnliche hinausreichende, intelligente Seite des menschlichen Seins. ... In umfassenderer Bedeutung wird unter Geist seit alters dasjenige, nur dem Menschen eigene, Merkmal des Seins verstanden, das den Menschen nicht nur über die körperliche Dingwelt und die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung hinaushebt, sondern ihm zugleich den Zugang zu einer übergeordneten, intelligiblen Welt des Absoluten (oder Göttlichen) erlaubt. Dahinter steht der Gedanke, daß das Absolute seinem innersten Wesen nach Geist ist, und der Mensch, als ein ebenfalls mit Geist begabtes Lebewesen, nur durch diesen mit der intelligiblen Welt verbunden ist. Nur der Geist ermöglicht dem Menschen somit einen (wenn auch beschränkten) Einblick in die kosmische Gesamtordnung des Seins."

Das muß man sich ganz langsam auf der Zunge zergehen lassen: Im allgemeinen und philosophischen Sinn stehen laut Brockhaus Intelligenz, Bewußtsein, Vernunft, Denken (="Geist") im Gegensatz zum "Körperlich-Stofflichen", Triebhaft-Sinnlichen", "Materiellen" (=Gehirn)...

Das Wort "Geist" kann man als einen altertümlichen Begriff für Bewußtsein deuten. Warum das Bewußtsein aber im Gegensatz zum Nervensystem stehen soll, ist doch schwer zu begreifen. Das Bewußtsein, das den Menschen angeblich über die Tierwelt hinaushebt - das Intelligenz, Vernunft und das Denken darstellt - wird laut Brockhaus also nicht vom Nervensystem, sondern vom "Geist" verursacht.

Im Zusammenhang mit der menschlichen Entwicklung sprechen einige Anthropologen von einem "Mensch-Tier-Übergangsfeld". Das ist etwas merkwürdig, denn Tiere - genauer: Säugetiere - sind wir bis heute eindeutig geblieben.

Viele Menschen glauben bis heute, daß sie über die Natur und die anderen Tiere erhaben seien, weil sie sich einbilden, das sie von einem "Geist" "beseelt" sind, der ihnen den Zugang zur "Welt des Absoluten", "Göttlichen", "Übernatürlichen", zur "Vernunft", dem "Denken", der "Intelligenz" verschafft. Das "Übergangsfeld" ist der Zeitraum, während dem dieser "menschliche Geist" in Erscheinung getreten sein soll. Hier nun ein Blick auf das "Absolute", zu dem nur der Mensch Zugang hat, weil er über "Geist" verfügt:

"ABSOLUTE das, Unbedingtes, eine philosophische (metaphysische) Annahme, die eine Erklärung der Welt durch Rückführung auf den Grund oder das Ganze der Welt geben will. Aufgrund der durchgängigen Bedingtheit (Kontingenz) alles Weltseienden schloß die griech. Philosophie auf eine oberste Bedingung alles Bedingten; diese - selbst nicht wieder bedingt - wurde als der allem Weltsein gegenüber >jenseitige< (transzendente) Weltgrund aufgefasst: als die Idee des an sich Guten bei Platon, als der unbewegte Beweger bei Aristoteles, als das Eine bei Plotin. Dasselbe sollte der Gottesbegriff des Mittelalters leisten. Das Absolute der neuzeitlichen Philosophie wird häufig welt-immanent als das Ganze der Welt gedacht und dann verschieden gedeutet, z.B. als Idee der Totalitarität aller Bedingungen (Kant), absolutes Ich (Fichte), absoluter Geist (Hegel), Identität von Natur und Geist (Schelling), Wille (Schopenhauer). Für den Materialismus ist die Materie das Absolute, insofern sie das Unbedingte und alles Bedingende ist. Alle Religionen suchen in ihrer Sprache ebenfalls das Absolute."

Das Absolute ist also ein Satz (oder Prinzip) mit dem man sich alle Geheimnisse des Universums erklären kann. Ich hoffe, Ich muß jetzt nicht ausführlich begründen, daß die Suche nach diesem Satz oder Prinzip oder der Streit über die Richtigkeit derartiger Ideen, den sich Theologen und Philosophen seit Jahrhunderten liefern, ebenso schwachsinnig ist, wie der Versuch, das wie, weshalb und warum das Universum da ist, zu erklären. Wie ein solches absolutes Prinzip, mit dem man alles beantworten kann, funktioniert, möchte Ich Dir anhand des mittelalterlichen Gottesbegriffs erklären:

"Warum fließt das Wasser den Berg runter? Warum wird es Tag und Nacht? Warum sind die Fürsten und Pfaffen so stinkreich, obwohl sie nicht arbeiten? Warum muß Ich als leibeigener Sklave arbeiten und hungern? Warum werde Ich von einer verbrecherischen Obrigkeit regiert?"

"Gott will ES SO!!!", sangen die Fürsten und Geistlichen im Chor...

Was ist nun in diesem "Mensch-Tier-Übergangsfeld" passiert, das den Menschen ein weissagendes Gespenst und damit den Zugang zu jedem Geheimnis verschaffte? Hat Gott den Menschen seinen heiligen Atem eingehaucht, damit er mit den Göttern spricht, von ihnen alle Geheimnisse der Welt erfährt, sie sich dadurch "untertan" macht und sie vernichtet - die Regenwälder abbrennt, die Ozonschicht zerstört, die Flüsse vergiftet, und am Schluß, im äußersten Anfall seines Wahnsinns, versucht mit seinen Atomwaffen das Leben auf der Erde 36 Mal zu vernichten?

Wer angesichts der von den Menschen geschaffenen Katastrophen wie Krieg, Sklaverei, Folter, Terror und Mord immer noch glaubt, der Mensch sei ein erhabenes Wesen, tickt nicht ganz richtig.

Es ist keine Frage, daß einer der größten Fortschritte in der menschlichen Evolution der Entwicklung der Lautsprache ist: Wir sind durch die Sprache in der Lage Informationen auszutauschen und zu speichern, die die Grundlage für unsere Entscheidungen bilden. Die Sprache hat das menschliche Bewußtsein gigantisch bereichert. Gleichzeitig fingen die Menschen deshalb aber auch an zu spinnen.

Die Menschen haben sich mit der Sprache eine Phantasiewelt geschaffen - eben jene "Welt des Absoluten" - die Welt der Sprache - eine Welt, in der in den Menschen ein Gespenst wohnt, das ihnen sagt, wo es langgeht, die das Werk eines Herrgotts ist. In einer Welt, die nur aus Worten besteht, gelten die Naturgesetze nicht und hat die Logik nichts zu suchen. Nur Scheinlogik ist gefragt.

Die Religion entspringt dem kindlichen Versuch des Menschen, sich die Geheimnisse des Universums mit seinen eigenen Worten erklären zu wollen...

Als unsere Vorfahren zu sprechen begannen, fingen sie damit an Fragen zu stellen. Damit begannen die philosophischen Probleme...

Dabei haben sie immer auch Fragen gestellt, die niemand beantworten konnte. Entweder weil sie einfach nicht wissen konnten, was wir heute wissen, oder morgen wissen können. Oder weil ihre Fragen absurd waren. Wie ist das Universum, wie ist der Mensch entstanden? Was geschieht mit einem, wenn man tot ist? Wie funktioniert der menschliche Körper? Wie sieht die Rückseite des Mondes aus? Warum haben die Giraffen so lange Hälse? usw. usf. Viele Fragen klingen zwar vernünftig und interessant, aber sie sind ebenso sinnig wie die Frage: Wo ist das Universum?

Nachdem unsere Vorfahren diese Fragen gestellt hatten, wollten sie natürlich auch eine Antwort haben. Da sie die Antworten aber nicht erfragen konnten, weil niemand sie wußte, kamen sie auf eine recht seltsame Idee: Sie begannen die Fragen, die sie gestellt hatten, selbst zu beantworten, d.h. sie haben die Informationen erfunden. Wie kleine Kinder entwickelten sie dabei ein "animistisches" Weltbild - sie erklärten sich die Welt durch die Existenz von Wesen (animistisch von lateinisch: Wesen).

Warum erklärten sie sich diese Fragen durch die Existenz von Wesen? Ganz einfach: Versuch mal mit einem Wortschatz von 500 Wörtern Erklärungen auf solche Fragen zu erfinden, die Dir bei Deinem Kenntnisstand plausibel erscheinen.

So entstanden die Gespenster, Geister und Götter in der Welt und in den Menschen. Nitzsche nennt den Glauben an das Gespenst im Körper des Menschen den "Seelenaberglaube". Warum erfinden und glauben die Menschen solches dummes Zeug? Sie haben es sich selbst eingeredet oder einreden lass en. Und die, die sich die Dummheit der anderen zu Nutze machten, profitieren davon.

Menschen absichtlich zu verdummen, sie in Unwissenheit zu lassen gehört entschieden zum Geschäft der Herrschaft. Manch ein Herrscher mag sich dabei heimlich sagen, was der Anarchist Johann Most in seiner Schrift "Die Gottespest" so formulierte:

"Je mehr der Mensch an der Religion hängt, desto mehr glaubt er. Je mehr er glaubt, desto weniger weiß er. Je weniger er weiß, desto dümmer ist er. Je dümmer er ist, desto leichter kann er regiert werden."

Warum redet ein schizophrener Mensch mit sich selbst?

Er redet mit sich selbst, weil er sich sagen will was er nicht weiß.

Wenn ihm das gelingt, weiß er nicht mehr was er sagt.

Leute die so denken, müßten - wenn ihnen bewußt wäre, was sie tun - eingestehen:

Ich stelle Mir Fragen weil Ich Mir sagen will was Ich nicht weiß. Wenn das nicht schizophren ist... Was Ich nicht weiß, das weiß Ich auch nicht...

Ein Mensch der nicht weiß was er sagt vermittelt sich selbst oder dem Rest der Welt keine Informationen; er erfindet Fiktionen. Ich möchte den Begriff der Fiktion anhand einer kleinen Anekdote verdeutlichen, die mir so passiert ist:

Eines Tages klingelte es an der Haustür. Zwei gut gekleidete Herren - offensichtlich Vertreter - standen draußen. Schon vorher hatte Ich die Beiden vor der Tür der Nachbarin gesehen, die ganz offensichtlich Schwierigkeiten hatte, die Beiden wieder loszuwerden.

"Laßt Mich raten - sagt Mir nicht wer Ihr seid und was Ihr wollt", meinte Ich. "Ich wette, Ihr seid die Zeugen Jehovas." Sie nickten verblüfft.

"Also - Ihr könnt gleich wieder gehen, bei Mir habt Ihr sowieso keine Chance. Ich bin absolute Atheistin." "Aha! Eine Atheistin", meint der Eine. Ob Ich denn beweisen könnte, daß es Gott nicht gibt?!? Kein Problem!

Vor der Haustür befand sich eine kleine Wiese. Ich wies auf irgendeine Stelle, und sagte:

"Sehen Sie genau da hin. An der Stelle, auf die Ich jetzt zeige, steht ein 50 Zentimeter hoher, rot-weiß-rot gestrichener Pfahl. Er ist unsichtbar, man kann ihn nicht anfassen, er riecht nicht, und er wirft auch keinen Schatten. So! Und jetzt beweisen Sie Mir, daß es ihn nicht gibt!!!"

Ratloses Schweigen.

"Natürlich brauchen sie Mir nicht zu beweisen, daß der Pfahl nicht existiert. Ich weiß, daß er nur aus Worten besteht, schließlich habe Ich ihn ja gerade eben selbst erfunden. Und nun beweisen Sie Mir, daß Ihr Gott keine Erfindung ist!!!"

Nach einer Weile sprachloser Bedenkzeit öffnete der eine seinen Aktenkoffer, holte ein Buch raus und sagte: "Sehen Sie, in diesem Buch von Professor Doktor Sowieso steht drin, daß es einen Schöpfer gibt. Die Wissenschaft beweist es!"

"Ich glaube nicht, was in Büchern steht, nur weil es gedruckt ist, oder was irgendein Depp sagt, nur weil er einen Titel hat, und sich "Wissenschaftler" nennt."

Nachdem Ich das gesagt hatte, wollten die Beiden sich schnell verabschieden, um irgendwo noch jemand anderes zu bekehren, obwohl Ich sie noch ganz freundlich zu einem Kaffee einlud...

Jedes "Ding" das nur aus Worten besteht, ist eine Fiktion. Der allmächtige Schöpfergott ebenso wie der Himmel in dem er wohnt; der heilige Geist, der ihm zur Seite steht; die Hölle, mit der der Pfarrer dem "sündigen" Gläubigen droht; Rübezahl, Engel, Teufel, Elfen, Kobolde, der Schwarze Mann; der "menschliche Geist" ebenso wie die "Seele" oder die "Psyche" oder die "Pneuma" (was viermal dasselbe heißt; Geist ist ein Synonym für "Seele", "Seele" heißt auf griechisch "Psyche" und auf lateinisch "Pneuma" - der Atem, dem die Götter dem Menschen angeblich eingeblasen haben, nachdem sie ihn aufgeblasen hatten), der Staat, die Gesetze, das Haus Europa, die Weltwirtschaftsordnung, die Moral, die Tugend, das Gute wie das Böse. Worte, nichts als Worte - ohne Sinn.

Wie schon bei dem ersten Brockhauszitat angedeutet, sieht sich der Mensch über die Natur nicht nur deshalb erhaben, weil er ein hochentwickeltes Gehirn, einen Geist und eine Sprache hat, sondern auch weil er mit der Sprache nicht nur spricht, sondern auch "denkt" ("Fähigkeit in Worten zu denken"). Daraus hat man den Schluß gezogen, daß nur der Mensch und alle anderen Tiere nicht "Denken" können, weil man zum "Denken" ja eine Sprache braucht.

Die christliche Religion spricht im Zusammenhang dem Denken stets von einer "Seele", als dem "wahren, unsterblichen, von Gott stammenden inneren Wesen" des Menschen, dem der menschliche Körper nur als sterbliche Hülle dient und die den Willen Gottes in uns verkörpert; sie fiel, ebenso wie der Mensch selbst vom Himmel. Die Philosophen sprechen vom "Geist" - dem inneren Wesen, das in uns spricht, wenn wir "denken". Die Psychologen sprechen von der "Psyche" (von griech. "Seele"), die unser Gehirn steuert - und manche Menschen sprechen ganz allgemein von ihrer "inneren Stimme", die ihnen sagt, wo es langgeht.

Das folgende Zitat ist einem modernen Lehrbuch der Psychologie entnommen (Schönpflug/Schönpflug "Psychologie" S.434 - wer "Seelenkunde" studiert kennt es) und stammt vom Begründer der Verhaltenspsychologie ("Behaviorismus") J.B. Watson:

"Der Behaviorist vertritt die Ansicht, daß das, was die Psychologen bisher als "Denken" bezeichneten, kurz gesagt nichts anderes ist als ein "Zu-uns-selbst-sprechen". ... Ich möchte hier ausdrücklich betonen, daß Ich bei der Entwicklung dieses Standpunktes nie der Meinung war, daß die Kehlkopfbewegungen als solche ... die dominierende Rolle beim Denken spielten ... . Wir alle haben immer wieder erlebt, daß der Kehlkopf entfernt werden kann, ohne daß dabei die Fähigkeit des Menschen zu denken zerstört wird." (!!!)

Im Klartext: Watson ist der Ansicht, daß "Denken" Selbstgespräche führen (Zu-sich-selbst-sprechen) heißt, aber er betont, daß nicht der Kehlkopf die Hauptrolle im menschlichen "Denken" spielt, weil ein Mensch, dem der Kehlkopf entfernt wurde, immer noch denkt. Warum?

"Die geflüsterte Sprache (ohne Artikulation) hängt von den Muskelreaktionen der Wange, Zunge, Kehle und Brust ab ... Meine Theorie ... behauptet, ... daß es Hunderte von Muskelkombinationen gibt, mit denen man entweder laut oder zu sich selbst fast jedes Wort sagen kann; so reichhaltig und flexibel ist die Sprachorganisation und so mannigfaltig sind unsere Sprachgewohnheiten."

Er kann sich auch ohne Kehlkopf immer noch seine Gedanken flüstern...

Ich vermute, daß Watson, nachdem er gesagt hatte, daß Denken Selbstgespräche führen heißt, von einem Spötter gefragt wurde, ob er denn glauben würde, daß der Kehlkopf denkt - weil die Aussagen Watsons ja schon den Verdacht nahelegen, daß sich das Gehirn eines Verhaltenspsychologen im Kehlkopf befindet. Daraufhin entwarf Watson dann die Theorie, daß man auch ohne Kehlkopf noch Selbstgespräche führen kann, wenn man mit sich selbst flüstert...

Das psychologische Lehrbuch rechtfertigt diesen blühenden wissenschaftlichen Unsinn mit den Worten:

"Indem Watson das Denken auf die Muskeltätigkeit zurückführt, sucht er einen Zugang zur objektiven Messung."

Ist die Verhaltenspsychologie des beginnenden 20. Jahrhunderts zu dem Schluß gekommen, daß nicht das Gehirn des Menschen, sondern seine Sprechorgane denken? Hat sich daran bis heute etwas geändert?

Heute versuchen russische Psychologen die "Gedanken" ihrer Testpersonen mittels an der Zunge festgeklebter Elektroden "zu lesen". Warum?

Der Entwicklungspsychologe Piaget beobachtete, daß Kinder in einem Alter von etwa zweieinhalb bis fünf Jahren damit anfangen "vor-sich-hinzureden", d.h. sie begleiten ihr Tun spielerisch mit Sprechen. Piaget nannte dieses begleitende Sprechen, das mit zunehmendem Alter äußerlich verstummt, "egozentrische Sprache". Aus der Tatsache, daß diese "Selbstgespräche" verstummen, zog Piaget den Schluß, daß die egozentrische Sprache lediglich eine Art Begleitmusik ist, eine Phase der kindlichen Entwicklung, die mit der Zeit wegen ihrer Nutzlosigkeit "abstirbt".

Dieser Schlußfolgerung wurde wenige Jahre später von dem russischen Sprachpsychologen Lew Semjonowitsch Wygotski heftig widersprochen. Wygotski kam in seinem 1934 in Moskau erschienen Buch "Denken und Sprechen" zu dem Schluß, daß sich Piaget in seiner Beurteilung der "egozentrischen Sprache" völlig getäuscht hätte.

Wygotski beobachtete, daß sich die Selbstgespräche in ihrer Art verändern, bevor sie verstummen. Anfangs reden die Kinder nur "vor-sich-hin", dann aber fangen die Kinder an "mit-sich-selbst" reden - und zwar so, als wenn ihre eigene Stimme mitunter die Stimme eines Erwachsenen wäre. Die Kinder fangen an sich Fragen zu stellen, versuchen diese zu beantworten, und plappern dabei nach, was die Erwachsenen sagen. Dabei geben sie sich auch selbst Befehle. Wygotski war der Ansicht, daß die Kinder durch diese Selbstgespräche lernen, mit der Sprache zu "denken". Ebenso wie Watson glaubte Wygotski, daß die Sprache das Denken verursacht!!!

Nachdem dieses "Nachdenken" äußerlich verstummt ist, schauen die Kinder immer noch genausolange gedankenversunken ins Leere, wie sie es taten, als sie noch äußerlich zu sich sprachen. Wygotski erkannte, daß die Selbstgespräche nicht aufhören, sondern äußerlich unhörbar im Kopf des Kindes weitergehen. Diese Selbstgespräche im Gehirn bezeichnete Wygotski als "innere Sprache" und kam - ganz im Gegensatz zu Piaget, für den die Selbstgespräche "funktionslos" waren - zu dem Ergebnis, daß so das Denken des Erwachsenen funktioniert.

Auf die Idee, daß das hirnrissig ist, sind die Sprachpsychologen bis heute nicht gekommen. Vielmehr sind die Psychologen der Ansicht, daß sich durch das innere Nachsprechen eine Persönlichkeit im Bewußtsein des Kindes (nach-)bildet - DIE SCHIZOPHRENE "PERSÖNLICHKEIT" DES "ERZIEHERS" NÄMLICH!!!

Kinder beginnen damit "mit-sich-selbst" zu sprechen, weil sie glauben, das sie sich sagen müssen, was sie denken!!! Sie stellen sich einen Ratgeber vor. Sie stellen sich vor was der sagt. Dieser Ratgeber wird dann am Ende ihr "Selbst". So ist das: Die einen denken es den anderen vor - die anderen müssen es "nachdenken". Sie müssen die Normen der Gesellschaft verinnerlichen, sich ihnen anpassen - denn sonst gibt's Liebesentzug, schlechte Schulnoten, Hausarrest oder eine Tracht Prügel!!!

"Jeder Mensch wird durch die Normen seiner Gruppe (Familie, Gesellschaft) "zurechtgemodelt". Im Grunde handelt es sich dabei immer um ähnliche Vorgänge: Bestimmte Verhaltensweisen eines Kindes werden von der Umwelt so heftig mißbilligt, daß sie nicht nur kontrolliert, sondern völlig gelähmt werden. Ein Kind, das jedesmal, wenn es einen eigenen Willen [anstatt eines fremden Willens!!!] äußert, verprügelt wird, oder - was es subjektiv als ebenso drohend empfindet - fürchten muß, dadurch die Liebe der Mutter zu verlieren, wird sämtliche Wünsche, die den Forderungen der Familiengruppe widersprechen, nicht nur kontrollieren, wenn es beobachtet wird. Es macht sich diese Kontrolle vielmehr so zueigen, daß es die eigenen, verbotenen, unerwünschten Impulse aus seinem Bewußtsein auslöscht. (...) Diese Normen können sich unter LSD-Einfluß auflösen, das heißt die typischen "Filter", welche durch die Gesellschaft in unser Bewußtsein eingebaut worden sind. Dieser Prozeß kann sehr verschiedene Konsequenzen haben. Er kann den Betroffenen enorm erleichtern, da er sich vielleicht das erstemal in seinem Leben von der Diktatur verinnerlichter familiärer und gesellschaftlicher Normen befreit fühlt."

Dr.Wolfgang Schmidbauer/ Dr.Jürgen vom Scheidt: Handbuch der Rauschdrogen

S. 226/227

Die Kinder lernen, daß die Erwachsenen die Macht haben, ihnen zu helfen oder sie zu zerstören, wenn sie nicht gehorchen. ("Wer nicht hören will, muß fühlen.") Sie müssen annehmen, daß ihre Eltern, Erzieher usw. weiser sind als sie selbst. Sie fangen an zu glauben, daß die Erwachsenen in ihrem Urteil immer recht haben. Sie befinden sich in einer aussichtslosen Situation und lernen dadurch, daß es sinnlos ist, gegen den Strom zu schwimmen. Die Erwachsenen sagen dem Kind: "Du darfst das und das nicht, wenn Du das oder das tust, oder nicht tust, passiert das und das...". Aus Angst vor den angedrohten Gewalt fangen die Kinder an, den fremden Willen zu verinnerlichen - sie lernen sich selbst stumm vorsagen: "Ich darf das nicht..."

Würden die Kinder ihrem eigenen Denken, ihrem eigenen Willen folgen, so würden sie die Normen und Regeln gar nicht beachten - und dafür bestraft werden. Der Gewalt der Gesellschaft (Eltern, Erzieher, Pfarrer, Pädagogen etc.) stehen die Kinder machtlos gegenüber - also müssen sie sich selbst Befehle geben: "Ich darf nicht ...; Ich muß... ."

"Über normale Selbstkontrolle und -kritik hinaus behelligen sich viele Menschen dauernd durch Vorwürfe, die ihnen durch anerzogene, verinnerlichte Normen auferlegt werden (ihr Über-Ich). ... Unbegründete, aber tief in das plastische Gemüt eines Kindes eingehämmerte Ideen können so ein ganzes Leben verbittern ("Sexualität ist schmutzig", "Selbstbefriedigung führt zu Irrsinn"). Wenn solch starre Dressate durch ein Halluzinogen einmal völlig zerstört werden, behält der Betroffene möglicherweise auch noch nachher eine neue, ungewohnte Distanz zu diesen "selbstverständlichen" moralischen Urteilen." eben da S. 231

Sie lernen ihren eigenen Antrieb und Willen zu unterdrücken - sich selbst zu kontrollieren, so wie die Gesellschaft es wünscht. Wenn sie dann irgendwann schizophren genug (erwachsen) sind, haben sie gelernt eine Rolle zu spielen, die der Gesellschaft angepaßt ist, und dabei längst vergessen, was sie eigentlich selbst sagen und tun wollen. Sie glauben, daß sie sich selbst beherrschen müssen, weil sie beherrscht werden. Sie unterdrücken sich selbst im Sinne ihrer Unterdrücker. Später lassen sie ihren Kindern dieselbe "Erziehung" angedeihen. Vom Prinzip der Gewalt - Gehorsam oder Strafe - werden die Menschen auch als Erwachsene nicht frei. Nun sind es Chefs, Richter, Gesetzgeber, militärische Vorgesetzte usw, usw, die als scheinbar unverletzliche und unverzichtbare Autorität den Eigenwillen unterdrücken. Den haben die meisten bis dahin sowieso schon soweit eingebüßt, daß sie ihn gar nicht mehr vermissen, sich nicht einmal mehr vorstellen können. (Die glücklichen Sklaven sind die Feinde der erbitterten Freiheit.)

Die "egozentrische" - also das Denken begleitende Sprache, die Piaget für nutzlos hielt, weil sie äußerlich verstummt - wird nur deshalb verinnerlicht, für andere unhörbar, weil in unserer feinen Gesellschaft jeder vor dem anderen seine wahren Absichten verheimlicht - verheimlichen muß. Wie könnten wir uns sonst gegenseitig überlisten?!? Kinder sprechen das, was sie meinen aus - Erwachsene sagen es bestenfalls noch heimlich ("Im Stillen" = im Kopf). Ich meine, man sollte beim Sprechen den Mund aufmachen. Doch das wird einem in dieser Gesellschaft rasch abtrainiert...

"erziehung" - oder: wie mache ich aus einem gesunden menschen einen idioten?

wer denkt, daß er denken gelernt hat, denkt bloß, daß er denkt!!!

wer denkt , daß er denkt, redet mit sich selbst.

wer sagt, daß er sich "gedanken macht", behauptet, daß er nur manchmal denkt (nämlich dann, wenn er sich "gedanken macht" - und wenn er sich keine macht, nicht) weil er glaubt, daß selbstgespräche führen "denken" heißt!

ich mache mir keine gedanken!!!

ich höre erst auf zu denken, wenn ich tot bin -

also kann ich auch nie damit anfangen!!!

nicht:

ich denke, also bin ich.

sondern:

ich führe selbstgespräche, also bin ich verrückt!!!

daß ich mir sage, daß ich denke, heißt nicht, daß ich denke sondern daß ich es mir sage - das heißt, daß ich selbstgespräche führe. daß ich keine selbstgespräche führe, heißt nicht, daß ich nicht denke, sondern daß ich mir nicht sage was ich denke!!!

ich muß mir nicht sagen, was ich denke -

weil ich es denke!!!

Beobachte Dich selbst einmal bei deinem Nachdenken und Du wirst finden, wie Du nur dadurch weiterkommst, indem Du jeden Augenblick gedanken- oder sprachlos wirst. Du bist nicht etwa bloß im Schlaf, sondern gerade beim tiefen Nachdenken gedanken- oder sprachlos, ja dann gerade am meisten. Und nur von dieser verkannten "Gedankenfreiheit" oder genauer "Freiheit von Gedanken" gelangst Du dazu die Sprache als Werkzeug deiner Kommunikation zu beherrschen und nicht umgekehrt von ihr beherrscht zu werden.

Zitat aus Thieme "Psychiatrie":

"Als Erwachsene neigen wir dazu, wörtliches Denken als selbstverständlich hinzunehmen. Hier sei daran erinnert, daß ein Kind den Gebrauch von Wörtern als komplexe flexible Werkzeuge zur symbolischen Kommunikation so lange nicht benutzt, bis es zu sprechen beginnt. Sein gesamtes Denken bis zu diesem Zeitpunkt ist nonverbal. (...)"

(So denken die Erwachsenen: Sie halten innerlich nicht den Mund und kommunizieren symbolisch mit sich selbst)

"Wir haben keine Möglichkeiten, all das zu prüfen und zu registrieren, was sich in den Gehirnen von Säuglingen und kleinen Kindern ereignet. Aber wir lernen eine ganze Menge - und das ist uns hilfreich - aus den Berichten solcher Leute, die eine ziemlich seltene Form der Blindheit hatten, später operiert wurden und sehen gelernt haben. In diesen Fällen können wir prüfen, wie es aussieht, wenn einzelne Phasen der Kindheit durchlaufen wurden.

Solch ein Patient, der zum erstenmal die Augen öffnet, hat wenig oder überhaupt keine Freude daran. Er empfindet diese Erfahrung als schmerzvoll. Er berichtet nur über eine wirbelnde Masse von Lichtern und Farben. Er kann einzelne Gegenstände vom Anblick her nicht erfassen und nicht erkennen, was sie sind, geschweige denn, sie benennen. Er hat keine räumliche Vorstellung gegenüber Gegenständen, obwohl er alles über die Gegenstände und ihre Namen durch Berührung weiß... (...) Zunächst erlebt er nur eine Masse von Farben. Stufenweise lernt er, Umrisse zu unterscheiden. (...)

Wochen und Monate, nachdem ein solcher Patient sehen gelernt hat, kann er nur mit größter Schwierigkeit die einfachsten Gestalten unterscheiden, z.B. ein Dreieck und ein Viereck. (...)

Es ist schon ein merkwürdiger Gedanke, daß ein Großteil der schwierigsten Gehirnarbeit eines Individuums zu einem Zeitpunkt geleistet wird, zu dem das Individuum noch kein Kommunikationssystem und keinen symbolischen Ausdruck seiner Gedanken erworben hat, ohne den das spätere Denken unmöglich scheint." ebenda S.25

Ich brauche keine Sprache um zu denken. Meine eigenen Gedanken brauche Ich nicht nachzudenken. Das was Ich nachdenken muß, ist der fremde Wille, den die Gesellschaft Mir aufzwingt, die Normen, die man Mir verinnerlicht, die man Mir anerzogen hat. Dieser Wille verdrängt meinen Willen aus meinem Bewußtsein, weil Ich ihn Mir permanent selbst einreden muß. Der Prozeß der Dressur heißt Erziehung, diese ist nötig zur Anpassung in das bestehende Zwangssystem. Die Erziehungswissenschaft vertritt den Anspruch Menschen zu Menschen erziehen zu müssen. Menschen mit autoritärer Persönlichkeit glauben, daß sie nur dann geliebt werden, wenn sie selbst gehorchen oder wenn andere ihnen gehorchen. Dabei können sie überhaupt nicht lieben. Nicht sich selbst und niemand anderen. Ein Kind das von einem Schizophrenen "erzogen" wird - und nur ein solcher will ein Kind "erziehen" - kann nur selbst wieder wahnsinnig werden, wie sein "Erzieher", bei dem der "Erziehungsprozeß" schon fertig ist. Niemanden trifft Schuld: Die Opfer von gestern sind die Täter von heute.

Die Verwirrung durch die künstlichen Normen, die unser Verhalten inzwischen fast vollständig steuern, hat inzwischen soweit geführt, daß die "Verhaltensforscher" glauben, Auskünfte über das Naturverhalten des Menschen anhand von Versuchen mit Wühlmäusen, Erdmännchen, Wespen und Ameisen herausfinden zu müssen - streng wissenschaftlich natürlich. Auf die Idee, Menschen zu beobachten, die sich nach ihrer Natur und nicht nach irgendwelchen ausgedachten Gesetzen benehmen, sind die "Verhaltensforscher" bis jetzt noch nicht gekommen. Allerdings würde sich ein solches Unterfangen heute auch schwer ermöglichen lassen, denn es gibt keine "Wilden", das heißt natürliche Menschen mehr in freier Wildbahn. Die wurden schon längst von den "Zivilisierten" "zivilisiert", d.h. versklavt oder gleich umgebracht!!!

Die große Masse "Menschheit" ist ganz offensichtlich kollektiv übergeschnappt. Das gilt nicht bloß für ein paar Naturvölker, die aus ihren Artgenossen Schrumpfköpfe machen, sondern gerade für die zivilisierte westliche Welt, die das weltumspannende Sklavensystem des Kapitalismus durch Stellvertreter- oder High-Tech-Kriege, Polizeistaat, Justizwillkür und Atombomben schützt. Die Reichen bestehlen die Armen - nennen den organisierten Diebstahl "Wirtschaftssystem", den Raub ihr "Eigentum" und lassen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit durch ihr "Rechtssystem" beschützen. 26,5% der Weltbevölkerung erwirtschafteten 1990 83,1% des Geldes - 73,5% erwirtschaften den lausigen Rest - 16,9%! Die alte "Neue Weltordnung" läßt pro Sekunde zwei Menschen verhungern, doch das Sterben der Armen geht immer noch nicht schnell genug, um dieses Terrorsystem zu stabilisieren - deshalb müssen die armen Staaten Kriege gegeneinander führen. Diese Kriege werden mit Waffen geführt, die die imperialistischen Staaten denjenigen Militärdiktaturen verkaufen, die dem Ausbeutersystem von "Ruhe und Ordnung" freundlich gesonnen sind, und brav billige Rohstoffe liefern. Die Menschen, die auf der Flucht vor Terror, Krieg und Hunger dorthin fliehen, wo all das zum Erhalt der Macht, zum Aufrechterhalten eines scheinbaren Wohlstandes dient, werden als Asylanten und Wirtschaftsflüchtlinge diskriminiert. Angesichts von Chaos, Unterdrückung, Ausbeutung, Umweltzerstörung, Verbrechen, Völkermord und Wahnsinn drohen die Herrschenden den Beherrschten dann stets mit der Wahnvorstellung von der Apokalypse der Freiheit - die Anarchie. (Wenn jeder das macht, was er will, bricht das Chaos aus.) Die Apokalypse des Terrors findet indes in den Ländern der "Dritten Welt" längst statt, und wird sicherlich auch die Länder der sogenannten ersten Welt erreichen, wenn alles weiterhin seinem "geregelten" Weg in den Untergang folgt...

Die freie Gesellschaft wird wieder zum Vorschein kommen, wenn sich die Menschen von dem System der Fremdbestimmung, von der Religion und den künstlichen Verhaltensregeln, die das Produkt gesellschaftlichen Wahnsinns sind, befreien. Die Befreiung der Menschen ist ein unausweichlicher Prozeß - entweder wird dieser Prozeß in den nächsten Jahren stattfinden, oder es kommt zu der Katastrophe, auf die die Menschen seit langer Zeit hinarbeiten.

"Das wahre Übel, das Übel schlechthin, sind die gesellschaftlichen Konventionen und Fiktionen, die sich über die natürlichen Gegebenheiten legen - angefangen von der Familie bis hin zum Geld, von der Religion bis zum Staat. Man wird als Mann oder als Frau geboren...; man wird aber nach den Gesetzen der Natur nicht geboren um Ehemann oder um reich oder arm zu sein, ebensowenig kommt man als Katholik oder Protestant, als Portugiese oder als Engländer zur Welt. All das wird man nur unter dem Einfluß gesellschaftlicher Fiktionen. Warum aber sind diese Fiktionen schlecht? Weil es sich um Fiktionen handelt, weil sie nicht natürlich sind. Der Staat taugt ebensowenig wie das Geld, die Religionen ebensowenig wie eine Familiengründung. Gäbe es andere Fiktionen dieser Art, wären sie genauso schlecht, weil es auch nur Fiktionen wären, weil sie sich auch nur über die natürlichen Gegebenheiten legen würden und diesen im Wege wären. Und jedes System - außer dem rein anarchistischen, das ja all diese Fiktionen samt und sonders abschaffen will - ist auch nur eine Fiktion. All unser Wünschen und all unser Bemühen, unsere ganze Intelligenz darauf zu verwenden, eine gesellschaftliche Fiktion durch eine andere zu ersetzen, wäre absurd, wenn nicht ein Verbrechen, weil das darauf hinausliefe Aufruhr in die Gesellschaft zu tragen, und das einzig und allein mit dem Ziel, nichts zu verändern. Wenn wir schon die gesellschaftlichen Fiktionen ungerecht finden, weil sie das Natürliche im Menschen niederhalten und unterdrücken, warum dann unsere Kraft damit verschwenden, sie durch andere zu ersetzen, wo wir sie doch alle vernichten könnten? Aus: Fernando Pessoa: "Ein anarchistischer Bankier"

Wie vernichtet man nun die gesellschaftlichen Fiktionen?

Indem man den Wahnsinn beseitigt, der zur Entwicklung der Fiktionen geführt hat.

Worin besteht nun der Wahnsinn? Ich wiederhole: Darin, daß fast die gesamte menschliche Gesellschaft glaubt, daß stummes, innerliches "Zu-sich-selbst-sprechen" "Denken" heißt. Watson Wygotski & Co. behaupten, daß die Sprache das Denken nicht begleitet oder übermittelt, sondern verursacht! Warum lacht man diese Schwachköpfe nicht endlich aus? Wirkliches Denken ist die Tätigkeit der kleinen grauen Zellen - die Tätigkeit des Gehirns wird nicht von einem Geist gesteuert und ist nicht vom Willen abhängig - weil die elektro-chemischen Prozesse im Gehirn den Willen bilden!!! Der Denkprozeß läuft nicht über die Sprache ab. Die "Sprache" in der die Gehirnzellen untereinander Informationen austauschen hat ganz sicher nichts mit der Lautsprache zu tun, die die Menschen ständig weiterentwickeln um sich miteinander zu unterhalten.

Aldous Huxley hat im Vorwort zur "Schönen neuen Welt" geschrieben: "Ein wirklich leistungsfähiger totalitärer Staat wäre ein Staat, in dem die allmächtige Exekutive politischer Machthaber und ihre Armee von Managern eine Bevölkerung von Zwangsarbeitern beherrscht, die zu gar nichts gezwungen werden brauchen, weil sie ihre Sklaverei lieben. Ihnen die Liebe zu ihr beizubringen, ist in heutigen totalitären Staaten die den Propagandaministerien, den Zeitungsredakteuren und Schullehrern zugewiesene Aufgabe. Aber deren Methoden sind noch immer plump und unwissenschaftlich."

Es besteht kein Zweifel, daß die Methoden der Herrschenden plump und unwissenschaftlich sind - doch die Sklaven lieben ihre Sklaverei schon längst. Die überlieferte Geschichte besteht aus dem Verfall und der Neubildung von Herrschaftsstemen. Der Streit um die Politik ist nur ein Streik darum, welche Gruppe die Macht inne hat. Jahrtausende Terror und Sklaverei haben die Masse der Menschen zu willenlosen Bewußtseinskrüppeln werden lassen - ein Leben ohne Unterdrückung ist für die Unterdrückten unvorstellbar. Sie sind unfähig geworden, selbständig zu denken. Nach der Arbeit wissen viele nicht, was sie mit dem bißchen Rest ihrer Freiheit anfangen sollen. Inzwischen wird diese Hilflosigkeit sogar als Krankheit erkannt, und man hat ihr auch einen Namen gegeben: Workoholism.

Es hat in der Geschichte auch Revolutionen gegeben, die von Teilen der herrschenden Gesellschaftsschicht angestrebt wurden. 1881 verübten intellektuelle Teile des Adels ein erfolgreiches Attentat auf den russischen Zar Alexander den Zweiten, weil sie eine Republik nach Vorbild der französischen Revolution anstrebten. Der Umsturzversuch scheiterte am Willen des Volkes, das nach wie vor an die Herrschaft des Monarchen (von Gottes Gnaden) glaubte. Die Verschwörer wurden hingerichtet. Der Thronnachfolger, Alexander der Dritte, war schwachsinnig und machte sämtliche Reformen, zu denen seine Vorgänger bereit gewesen waren, gleich wieder rückgängig...

Wie kann der Wechsel von der schizophrenen Gesellschaft zur natürlichen Gesellschaft vonstatten gehen?

Fernando Pessoa schrieb:

"Dieser Wechsel könnte vorbereitet und ermöglicht werden mit Hilfe einer intensiven, totalen, allumfassenden Aufklärungsarbeit; sie würde die Leute für die freie Gesellschaft empfänglich machen und den Widerstand schwächen. Selbstverständlich verstehe Ich unter "Aufklärungsarbeit" nicht nur das geschriebene oder gesprochene Wort: Ich verstehe darunter jede direkte oder indirekte Aktion, sofern sie dazu beiträgt, die Leute für die freie Gesellschaft empfänglich zu machen und den Widerstand gegen ihre Heraufkunft zu schwächen. Wenn es dann quasi keinen Widerstand mehr gibt, könnte sich die gesellschaftliche Revolution, wenn sie denn stattfindet, rasch und leicht vollziehen und sie hätte keine revolutionäre Diktatur nötig, denn gegen wen sollte sie sich überhaupt richten?"

Dieses Zitat ist ganz in meinem Sinn. Die revolutionäre Diktatur (das einzige was an der revolutionären Diktatur revolutionär ist, ist das Wort revolutionär), ist zentraler Bestandteil der Marxistischen Ideologie. Marx verzichtet auf die Einsicht Aller, und trachtet danach, einen Staat zu errichten, in dem unter der Herrschaft der Avantgarde die ökonomischen Bedingungen erzwungen werden, die zur Entstehung der freien Gesellschaft notwendig sind. Diese Idee ist absurd - denn dieser "sozialistische" Staat ist wieder eine Fiktion:

"Nun bedeutet ein revolutionäres Regime aber Kriegsdiktatur oder, um es genauer zu bezeichnen, ein militärisches Gewaltregime, weil nämlich der Kriegszustand über die Gesellschaft verhängt wurde, und zwar von einem Teil ihrer selbst,- jenem Teil, der mit der Revolution die Macht übernommen hat. Und was kom mt dabei heraus? Heraus kommt dabei, daß derjenige, der sich auf ein solches Regime einstellt, das materiell und umstandslos ein militärisches Gewaltregime ist, sich auf ein militärisches Gewaltregime einstellt.

Die Idee, von der sich die Revolutionäre hatten leiten lassen, und das Ziel, das sie angesteuert hatten, sind jetzt vollständig aus der gesellschaftlichen Wirklichkeit verschwunden, die vielmehr ausschließlich von kriegerischem Geschehen in Anspruch genommen wird.

So entspringt also einer revolutionären Diktatur - und das umso mehr je länger eine solche Diktatur dauert - eine kriegerische Gesellschaft von der Art einer Diktatur, mit anderen Worten, eine militärische Gewaltherrschaft. Wie könnte dem auch anders sein? Es ist ja nie anders gewesen. Ich kenne Mich in der Geschichte nicht besonders aus, doch das, was Ich weiß, bestätigt das alles nur und hat es immer wieder bestätigt.

Was ist aus den politischen Unruhen Roms hervorgegangen? Das römische Imperium und seine militärische Gewaltherrschaft. Was ist aus der französischen Revolution hervorgegangen? Napoleon und seine militärische Gewaltherrschaft. Und sie werden noch sehen, was die russische Revolution hervorbringen wird - etwas, das die Verwirklichung der freien Gesellschaft um Jahrzehnte verzögern wird."

Das schrieb Fernando Pessoa 1922. Was ist inzwischen aus der russischen Revolution geworden? Lenin und seine militärische Gewaltherrschaft - von Stalin ganz zu schweigen. Das Staatsgebilde der DDR hat sich ebenso wie die Sowjetunion in Luft aufgelöst...

"Eine anarchistische Revolution könnte günstigenfalls eine Weltrevolution sein, die gleichzeitig an allen Ecken der Welt - oder zumindest an den wichtigsten Ecken ausbrechen würde; oder, falls nicht, die immerhin von einer Ecke auf die andere übergreifen würde,- sie wäre auf jeden Fall fulminant und fände überall, d.h. in jeder Nation statt. Na schön! Aber welchen Beitrag könnte Ich dazu leisten? Ich allein könnte sie nicht machen, die große Weltrevolution, Ich könnte nicht einmal in meinem eigenen Land eine ganze Revolution auslösen. Einzig und allein könnte Ich mit all meinen Kräften mithelfen, diese Revolution vorzubereiten. Ich habe schon erklärt, wie: indem Ich mit allen verfügbaren Mitteln die gesellschaftlichen Fiktionen bekämpfe, indem Ich weder diesen Kampf bzw. die Aufklärungsarbeit für eine freie Gesellschaft behindere, noch die zukünftige Freiheit noch die jetzige Freiheit der Unterdrückten beeinträchtige, indem Ich jetzt schon, wenn möglich etwas von dieser Freiheit schaffe."

Als Macht definiert der [monarchistische] Soziologe Max Weber die Fähigkeit, innerhalb einer zwischenmenschlichen Beziehung seinen eigenen Willen gegenüber anderen auch bei deren Widerstreben [mit Gewalt] durchzusetzen. Anders ausgedrückt: Macht bedeutet die Fähigkeit den Willen anderer Menschen gewaltsam zu unterdrücken!!!

Herrschaft beruht nicht ausschließlich auf der Gewalt bzw. Gewaltandrohung der Herrschenden, sondern auch weitgehend auf dem Glauben an die Legitimität der Herrschaft, somit auf eine INNERE ANERKENNUNG der Befehlenden und der von ihnen erteilten Befehle. Wenn die Beherrschten zu Gehorsam nur durch Angst und Gewalt veranlaßt wären, würde man kaum von einem dauerhaften Funktionieren der herrschenden Verhältnisse ausgehen können. HERRSCHAFT SETZT DIE BEREITSCHAFT ZUM GEHORCHEN AUFGRUND EINES LEGITIMITÄTSGLAUBENS VORAUS!!!

Warum warnen die Herrschenden stets vor ANARCHIE & CHAOS? Klarer Fall:

DIE MÄCHTIGEN MÜSSEN FÜR DEN LEGITIMITÄTSGLAUBEN PLÄDIEREN, UM NICHT DEN GEGENDRUCK DER BEHERRSCHTEN WACHZURUFEN!!!

WOHLAN DENN!!! LASST UNS ALLES TUN, DAMIT DIE BEHERRSCHTEN DEN GLAUBEN AN DAS RECHT DER STAATSGEWALT VERLIEREN!!! DIE MACHT DER EINEN BRAUCHT DIE ANGST & DIE DUMMHEIT DER ANDEREN!!!

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