WER IST GOTT?

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Ein Kamerateam des Süddeutschen Rundfunks berichtete 1990 über eine Expedition zu den Aucas, einem möglicherweise heute noch wie in der Steinzeit lebenden Indianerstamm in den Regenwäldern Ecuadors, sofern sie noch nicht ausgerottet wurden:

"Ihre Neugierde kennt keine Grenzen. Hauptsächlich unsere Intimbereiche haben sie eingehend untersucht. Also die Kuwudis (das sind wir) sind auch nicht anders als die Aucas. Nur - so fragen sie sich - warum verbergen wir alles unter der Bekleidung?

In der Weltanschauung der Aucas kommen zuerst sie, dann lange nichts, und erst dann die Kuwudis. Ihr Gott heißt "Itota" - "der die Welt schuf".

Itota schuf das Wasser, die Bäume, alle Tiere und er brachte die Aucas.

Wer ist Itota? Wir wissen es nicht.

Wie sieht er aus? Wir wissen es nicht.

Vielleicht sieht er aus wie ein Auca...

Am Anfang gab es keinen Wald, und man konnte den Himmel mit den Händen berühren. Auch das Feuer kam vom Himmel. Wenn wir sterben gehen wir hoch hinauf, bis wir alle Leute treffen, die gestorben sind. Auf dem schmalen Pfad, der hinaufführt liegt ein dicker Wurm, groß und dick wie ein Baum. Wenn er uns sieht, dann weiß er, daß wir Aucas sind und läßt uns durch. Wer zurück muß verfault, und verwandelt sich in Termiten."

Die Azteken glaubten:

"Unsere Väter und Oheime berichten, daß uns schuf und bildete er, dessen Geschöpfe wir sind; unser Fürst Quetzalcoatl. Er hat auch den Himmel, die Sonne und die Gottheit der Erde erschaffen."

Die Christen glauben:

"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wart Licht. (...) Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Weib. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter d em Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht. (...) Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut."

Immer wenn die Menschen etwas nicht verstehen, denken sie sich Erklärungen aus. Diese Erklärungen haben eines gemeinsam: Sie sind immer falsch.

Wie ist die Welt, wie ist der Mensch entstanden? Was geschieht mit einem, wenn man tot ist? Wie funktioniert der menschliche Körper? Wie sieht die Rückseite des Mondes aus? Warum haben die Giraffen so lange Hälse? usw. usf.

Nachdem diese Fragen gestellt waren, wollten sie die Antworten erfahren. Sie begannen Selbstgespräche zu führen. Dabei konnten sie sich die Frage nach der Entstehung der Welt nicht anders erklären, als sich ein Wesen vorzustellen, dem sie alle Eigenschaften zuschrieben, die sie selbst gern gehabt hätten, und von dem sie ganz einfach behaupteten, es hätte die Welt gemacht. Daß diese Erklärung einen logischen Kurzschluß enthielt, haben sie zu allen Zeiten geflissentlich übersehen - mit der Erfindung eines übernatürlichen Wesens ließ sich zwar die Entstehung der Welt erklären, aber dahinter verbarg sich unausgesprochen die Frage: "Wer oder was hat Gott geschaffen?"

Mit der Zeit begannen sich die Menschen vor den Wesen die sie erfunden hatten zu fürchten: Sie wurden die Geister, die sie riefen, nicht mehr los. Hinter allen Dingen (Krankheiten, Naturgewalten) sahen sie das Treiben von Gespenstern - die gute Laune oder den Zorn der Götter. In der Entwicklungspsychologie spricht man von einem animistischen Weltbild, wenn Kinder sich ihre Umwelt von Wesen beseelt vorstellen. Ein fünfjähriges Kind, das sich vor dem Wind fürchtet, stellt ihn sich vielleicht als den Atem eines Geistes vor, den es mit seinen Worten zu besänftigen sucht. Auch unsere Vorfahren redeten mit Geistern, und die Gläubigen tun das bis heute - sie nennen es "beten".

Gott ist das Produkt der abstrakten Fähigkeiten des Menschen - von Sprache und Vorstellungskraft. Die Frage, warum es in vielen Kulturen den Glauben an das Schöpferwesen gibt, erklärt sich nicht dadurch, daß er oder sie allen irgendwann erschienen ist, sondern daß sich die Menschen auf dem niedrigen Entwicklungsstand ihrer Sprache gar keine komplizierteren Erklärungen ausdenken konnten.

Gott ist der Schatten eines Nichts, eine Fiktion, und wer nicht an ihn glaubt, braucht sich vor seinem Zorn nicht zu fürchten. Immer hat es Menschen gegeben, die durchschauten, daß die Götter nur Hirngespinste sind. Diese Leute begannen die Dummheit und Leichtgläubigkeit ihrer Artgenossen auszunutzen, indem sie ihnen mit allerlei Hokuspokus den Willen der Götter weismachten - welcher natürlich ihren eigenen Interessen entsprach. Sie behaupteten, daß die Götter selbst mit ihnen gesprochen hätten, um ihnen ihre Gesetze zu verkünden - und schufen somit die Grundlage der heutigen Herrschaftssysteme... (Das Christentum weiß von der Existenz Gottes nur durch individuelle Offenbarung - d.h. dadurch daß er den sog. "Heiligen" erschienen ist.)

Diese Betrüger versprachen jedem Narren eine unsterbliche Seele und ein Leben im Himmel (nach dem Tod), jedes Jahr eine gute Ernte und schönes Wetter für ihre Dummheit, andernfalls ein Schmoren im ewig lodernden Höllenfeuer. (Das sind natürlich nur christliche und islamische Fiktionen.)

Wie man die Furcht vor einer Wahnvorstellung für seine Zwecke verwenden kann, möchte Ich anhand der Rede eines Aztekenkönigs zeigen, die er hielt, um seine Untertanen vom Genuß des halluzinogenen Peyotekaktus abzubringen: "Wo Du Dich auch befindest, Untertan, höre auf Peyote zu trinken. Du wirst nicht sterben, wenn Du es aufgibst. Glaube nicht, in der Stille deines Heims weitertrinken zu können. Unser Herr, Gott, wird Dich sehen, den Du damit beleidigst. Gott wird dafür sorgen, daß Du bestraft wirst, auch wenn Ich nichts davon erfahre. Man wird Dich durch dein Benehmen, deine Worte erkennen; oder Du wirst Dich versehentlich erhängen oder in einen tiefen Brunnen fallen. Oder aber Du wirst vor Gericht gebracht, das Dich zum Tod verurteilt, durch Erhängen, Steinigung, Auspeitschen oder durch einen Pfeil."

Wenn man an Gottes Allmacht, und an seine Verbindung zu den irdischen Herrschern glaubt, ist man nirgendwo mehr vor der Tyrannei sicher... Das Christentum hat die Tyrannei Gottes sogar noch weiter getrieben: Gott hört auch Gedanken. Ein gläubiger Christ darf verbotene Dinge nicht einmal mehr in der Stille seines Kopfes formulieren ("denken") ohne gleich seine Strafgewalt wegen dieser "Sünde" fürchten zu müssen.

Der Seelenaberglaube läßt sich trefflich zur Manipulation verwenden. Es ist das Versprechen der Unsterblichkeit, mit dem man die Leichtgläubigen über den Tisch der Religion zieht. An die Unsterblichkeit des Körpers mag wohl niemand so recht glauben, aber daß der Geist ins Paradies einzieht, in einer höheren Kaste wiedergeboren wird oder nach Walhalla kommt, wenn man dem Willen der Götter gehorcht, wurde und wird bis heute brav geglaubt. Der Seelenaberglaube ist uralt, und fast noch weiter verbreitet als der Glaube an den Schöpfergott. Er entspringt dem Versuch sich die Entstehung des Bewußtseins zu erklären. Sahen unsere Vorfahren in den Naturgewalten die Tätigkeit von Gespenstern, so sahen sie auch in den Vorgängen im Körper die Tätigkeit übernatürlicher Wesen.

Das Christentum betrachtet den Menschen bis heute als eine "Einheit" von Körper und "Seele". Der Körper ("das Fleisch") ist sündig und schlecht, dem Zerfall ausgeliefert, die "Seele" ("der Geist") ist das wahre, von Gott stammende innere Wesen des Menschen, ist gut und unsterblich. Nicht um mein leibliches Wohl ist die Kirche bekümmert, sondern um das Heil meiner Seele. Der Kirche ist es gleich, ob Ich wegen der Steuer für Staat und Pomp des Klerus verhungere, denn dafür, daß Ich den Mächtigen als willenlose Sklavin auf Erden diene, werde Ich dereinst im Himmel das ewige Leben haben - vorausgesetzt, daß meine Seele von teuflischen Beeinflussungen verschont bleibt... "Das ist der Sinn der Seelsorge, daß meine Seele oder mein Geist gestimmt sei, wie Andere es recht finden, nicht wie Ich selbst es möchte." (Max Stirner) d.h. Ich muß Mir einreden, was der Pfaffe sagt, damit Ich das ewige Leben erlange.

Der zweifelhafte Besitz einer unsterblichen "Seele" unterscheidet den Menschen vom Tier - so das Christentum; doch in der Vergangenheit hat sich gezeigt, daß gerade die Kirche das nicht grundsätzlich verallgemeinert. Als die Europäer nämlich die Völker Afrikas und Amerikas ausbeuteten, ermordeten und versklavten (merkwürdig, daß ausgerechnet die am grausamsten sind, die immer von Nächstenliebe reden), haben ihnen ihre christlichen Ausbeuter den Besitz einer "Seele" rasch abgesprochen - umgekehrt hat der Rat der katholischen Kirche zu Beginn des Jahres 1990, wohl in der Sorge um den Erhalt der Arten, auch den Tieren eine "Seele" zugesprochen (Originalton der Begründung: "Schon der heilige Antonius hat mit den Vögeln geredet...").

Der Autor des Buches "Wir wollen nur deine Seele", U.Bäumer (erschienen im TELOS-Verlag, "Christliche Literaturverbreitung e.V.") warnt vor den Gefahren für das in uns wohnende göttliche Wesen: "Der berühmte Gehirnforscher Sir John Eccles hat das Gehirn als eine "Maschine" bezeichnet, die generell durch einen Geist - gleich welcher Art - betätigt werden kann. Eccles steht nicht allein da:

In genau die gleiche Richtung weisen auch neuere Arbeiten seiner Fachkollegen Wilder Penfield und Roger Sperry, deren Ergebnisse die materialistische Auffassung widerlegen, nach der die gesamten seelisch-geistigen Leistungen bloße Funktionen des Gehirns waren, die mit diesem entstanden und vergingen. Das Gehirn verhält sich zum Geist wie das Instrument zum Spieler. Natürlich kann dieser nicht spielen wenn das Musikinstrument entzwei geht [wenn das Gehirn tot ist, spielt der Geist im Himmel auf seiner Leier weiter], aber er selber ist nicht das Instrument und auch keine Funktion desselben, sondern sein Lenker und Herr. [AMEN] Grundsätzlich kann dieses Instrument aber auch von einem anderen Spieler bedient werden, sofern es diesem gelingt den rechtmäßigen Spieler kaltzustellen..." (Grundsätzlich kann das Gehirn aber auch von einem anderen Geist bedient werden, sofern es diesem gelingt, den rechtmäßigen Geist im Kühlschrank kaltzustellen...)

Das Buch warnt vor den Gefahren "satanischer" Seelenbeeinflussungen durch Rockmusik. Bäumer vertritt u.a. die These, daß die Musiker der Gruppe "CAN" nur deshalb so hervorragend zusammenspielen, weil sie alle gemeinsam vom TEUFEL besessen sind...

Die Aussage Bäumers, das Gehirn würde durch einen (rechtmäßigen, unrechtmäßigen, heiligen oder teuflischen) Geist gesteuert, fällt eindeutig unter die Rubrik "Gedankenbeeinflussungen" und ist demnach ein SYMPTOM DER SCHIZOPHRENIE ERSTEN RANGES. Die Tatsache, daß Bäumer mit seinem religiösen Wahn nicht Insasse einer psychiatrischen Anstalt geworden ist, sondern im Namen Gottes Bücher veröffentlicht, ist für Mich ein Indiz dafür, daß er mit seinem Hirngespinst nicht gerade alleine dasteht - im Gegenteil! Der Gehirnphysiologe Eccles, den Bäumer zitiert, ist in der Tat der Ansicht, daß das menschliche Denken das Werk eines Geistes ist, der in der linken Gehirnhälfte sitzt. Eccles ist einer der bekanntesten Anhänger der "Dualistischen Theorie", die das Denken mit Metaphysik ("Wissenschaft" vom Übernatürlichen) zu erklären versuchen. Eccles behauptet, daß die linke Gehirnhälfte die rechte beherrscht - weil Denken ja bekanntlich Selbstgespräche führen heißt, und die rechte Gehirnhälfte gar nicht sprechen kann! (Die Sprache entsteht angeblich in der linken Gehirnhälfte.) Derlei Unsinn wird bis heute von den Wissenschaftlern ernsthaft diskutiert - und ist an den Universitäten verbreitet.

Gläubige Christen, die sagen, daß Gott ein allmächtiges, allwissendes, allgegenwärtiges Wesen ist, welches ihr Schicksal beeinflußt, das sie hört, wenn sie ihre Hände falten und in ihrem Kopf mit dem "heiligen Geist" reden, das sie unweigerlich straft, wenn sie eine "Sünde" begangen haben, weisen alle Anzeichen von Beobachtungs-, Beeinflussungs- und Verfolgungswahn auf. (Wenn jemand stirbt, heißt es in der Todesanzeige "Gott hat ihn zu sich gerufen" - wenn er nicht stirbt heißt es "Gott hat ein Wunder gewirkt". Wie es auch kommt - immer spürt der gläubige Christ die Hand Gottes.)

Es werden Mir sicher nur wenige widersprechen, wenn Ich sage, daß wohl die Mehrheit der Menschen an einen personifizierten Gott bzw. Götter glaubt.

Zusammengefasste Zusammenfassung:

Wer schizophren ist

kann sich das

was er nicht weiß sagen -

er braucht bloß sich selbst danach

zu fragen.

Ich kann Mir sagen, was Ich nicht weiß.

(Bevor Ich es weiß!!!)

Alles, was Ich Mir sagen kann, hat keinen Sinn.

Ich kann in Meinem Kopf Selbstgespräche führen,

aber Ich nehme sie nicht mehr ernst, seit Ich 5 bin.

Was Ich nicht weiß, das weiß Ich auch nicht.

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